Ratgeber
BESS-Wirtschaftlichkeit berechnen: Worauf es bei Batteriegroßspeichern ankommt
Woher die Erlöse kommen, warum sie sinken können und welche Annahme über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Ein Batteriegroßspeicher erzeugt keinen Strom. Er verdient Geld damit, Strom zeitlich zu verschieben und dem Netz Flexibilität zu verkaufen. Ob sich das rechnet, entscheiden wenige Größen: die Erlöse je Megawatt, ihre Entwicklung über die Jahre, die Alterung der Batterie und die Finanzierung.
Woher die Erlöse kommen
Ein Speicher kann auf mehreren Märkten gleichzeitig oder abwechselnd aktiv sein:
- Regelenergie: Der Speicher hält Leistung für die Netzstabilität bereit, zum Beispiel als Primärregelleistung (FCR) oder Sekundärregelleistung (aFRR), und wird dafür bezahlt.
- Großhandel: Der Speicher lädt bei niedrigen Preisen und speist bei hohen Preisen ein, am Day-Ahead- und am Intraday-Markt.
In der Praxis übernimmt ein Vermarkter (Optimierer) den Handel. Er behält eine Erlösbeteiligung, in unserer Vorlage 15 % als Beispielwert, und berechnet oft zusätzliche Fixkosten für Prognosen und Meldepflichten.
Für die Kalkulation fasst du alles in einer Kennzahl zusammen: Netto-Erlös je MW und Jahr. Die Vorlage setzt diesen Wert für einen 2-Stunden-Speicher an und rechnet für jede weitere Stunde Speicherdauer einen Aufschlag, weil ein längerer Speicher mehr Energie im Großhandel verschieben kann.
Warum die Erlöse sinken können
Je mehr Speicher gebaut werden, desto kleiner werden die Preisunterschiede, von denen sie leben. Besonders die Regelenergiemärkte sind in ihrer Größe begrenzt. Eine vorsichtige Kalkulation rechnet deshalb mit sinkenden Erlösen. In der Vorlage ist das die „Marktentwicklung“, im Beispiel zwischen −1 % und −3 % pro Jahr.
Alterung und Nachrüstung
Eine Lithium-Batterie verliert mit jedem Zyklus Kapazität. Dieser Gesundheitszustand heißt SOH (State of Health). Das Beispiel rechnet mit 2,5 % Verlust pro Jahr bei rund 700 Zyklen.
Der Kapazitätsverlust trifft nicht alle Erlöse gleich. Regelleistung wird in MW bezahlt und hängt kaum an der Kapazität, Arbitrage dagegen direkt. Die Vorlage lässt den SOH deshalb nur auf den energieabhängigen Anteil der Erlöse wirken.
Viele Projekte planen eine Augmentation ein, also eine Nachrüstung mit neuen Batteriemodulen, im Beispiel im 11. Betriebsjahr. Sie wird über eine jährliche Rücklage angespart. Das mindert den Cashflow, den die Bank für den Schuldendienst anrechnet.
Investition und Betriebskosten
Die größten Posten sind das Batteriesystem (Richtwert im Beispiel 135 €/kWh), die Wechselrichter, Transformator und Übergabestation sowie das Netzzutrittsentgelt. Das Netzzutrittsentgelt solltest du dir immer vom Netzbetreiber bestätigen lassen. Das Musterprojekt mit 5 MW / 10 MWh kommt auf rund 3,0 Mio. € Gesamtinvestition.
Laufend fallen Wartung, Versicherung, Kosten des Netzbetreibers, Vermarkter-Fixkosten, Pacht und eine Rückbaurücklage an. Alle Positionen werden mit der Inflation indexiert.
Finanzierung
Speicherprojekte tragen ein Marktpreisrisiko. Banken finanzieren deshalb meist kürzer und mit mehr Eigenkapital als bei einer PV-Anlage mit festem Tarif. Das Beispiel rechnet mit 30 % Eigenkapital und 10 Jahren Laufzeit. Ob das trägt, zeigen DSCR und LLCR.
Die entscheidende Annahme
Die drei Szenarien der Vorlage unterscheiden sich nur in den Erlösen und ihrer Entwicklung. Alles andere bleibt gleich:
| A | B | C | D | |
|---|---|---|---|---|
| 21 | Annahme / Ergebnis | Konservativ | Basis | Optimistisch |
| 22 | Erlös Jahr 1 je MW (2-h-Speicher) | 150.000 | 190.000 | 230.000 |
| 23 | Marktentwicklung p. a. | −3,0 % | −2,0 % | −1,0 % |
| 24 | Projekt-IRR nach Steuern | 5,1 % | 12,4 % | 18,7 % |
| 25 | Eigenkapital-IRR nach Steuern | 4,5 % | 21,1 % | 38,7 % |
| 26 | DSCR minimal | 0,58x | 1,01x | 1,51x |
| 27 | DSCR-Covenant erfüllt? | nein | ja | ja |
Die Projektrendite nach Steuern reicht von 5,1 % bis 18,7 %. Im konservativen Fall verfehlt das Projekt die Anforderungen der Bank. Die Erlösannahme ist also die wichtigste Zahl deiner Kalkulation. Dafür lohnt sich eine standortspezifische Erlössimulation oder ein verbindliches Vermarkterangebot.
Checkliste für deine Kalkulation
- Erlös je MW aus einer Simulation oder einem Vermarkterangebot, nicht aus einer Pressemeldung
- Sinkende Erlöse durch Speicherzubau eingeplant
- SOH-Verlust passend zur geplanten Zyklenzahl
- Nachrüstung und ihre Rücklage berücksichtigt
- Netzzutrittsentgelt vom Netzbetreiber bestätigt
- Covenants der Bank im konservativen Szenario geprüft
Selbst durchrechnen
BESS-Projektkalkulation (Batteriegroßspeicher)Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Musterprojekt der Vorlage. Trag deine eigenen Annahmen ein und sieh sofort, was sich ändert.
